Tota Frisia – die friesischen Gebiete

Ostfriesland liegt im Nordwesten Deutschlands auf einer Halbinsel an der Nordsee. So einfach ist das. Oder etwa doch nicht?

Als das Europäische Tourismus-Institut im Jahre 2002 eine Umfrage startete und 1451 Deutsche fragte, wo Ostfriesland denn eigentlich auf der Landkarte läge, da wussten weniger als die Hälfte gerade mal die ungefähre Gegend. Die übrigen zeigten auf völlig andere Landstriche irgendwo zwischen Amsterdam in den Niederlanden und Kopenhagen in Dänemark. Jeder fünfte Befragte hatte gar von Ostfriesland überhaupt noch nichts gehört. Unerhört.

Viele Deutsche haben Probleme mit der Lage Ostfrieslands, da sie es dem Namen nach irgendwo im Osten vermuten, es aber stattdessen im äußersten Westen der Republik liegt. Das ist den Ostfriesen natürlich völlig egal, denn Ostfriesland gab es schon, als an Deutschland noch lange nicht zu denken war.

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Das ist Ostfriesland. Wir verstehen darunter das Gebiet der heutigen Landkreise Leer, Aurich und Wittmund sowie der kreisfreien Stadt Emden. Dies ist ziemlich genau das Gebiet des ehemaligen Fürstentums Ostfriesland (1464 bis 1744) und später des Regierungsbezirks Aurich, der innerhalb Preußens lag und noch später zu Niedersachsen gehörte (1744-1978).

Aber die Geschichte geht noch weiter zurück. Ostfriesland war immer schon ein Teil Frieslands gewesen, und dessen Geschichte beginnt so richtig irgendwann im 8. Jahrhundert, also kurz nach der Völkerwanderung. Friesland reichte damals entlang der Nordseeküste, beginnend an der Rheinmündung bis hin ins heutige Dänemark. Ärger gab es mit den Nachbarn im Süden, den Franken, die schon bald den südlichen Teil des Friesenlandes eroberten. Weiter nördlich konnten sich zwei Regionen halten, deren Trennlinie schon damals das Flüsschen Lauwers markierte, das im heutigen Norden der Niederlande fließt. Noch heute trennt die Lauwers dort die Provinzen Friesland und Groningen.

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 „Ostfriesen und östliche Friesen“

Zu den sogenannten Ostlauwers’schen Friesen wurden all jene gezählt, die im Gebiet östlich der Lauwers bis hin zur Weser lebten. Wir hätten es einfach, wenn wir alle diese Friesen heute insgesamt als „Ostfriesen“ bezeichnen könnten. Können wir aber nicht. Denn Teile des Gebietes wollten nicht mehr friesisch sein (die heutige Provinz Groningen in den Niederlanden) oder lieber anderen Territorien zugerechnet werden (wie der heutige Landkreis Friesland), während die Menschen im Gebiet von „Ostfriesland“ damals unter diesem Namen Fürstentum spielten. Aber zumindest die Gebiete östlich des heutigen Ostfrieslands, also der Landkreis Friesland, die Stadt Wilhelmshaven, das Saterland sowie auch die Gebiete im ehemaligen Rüstringen und das Land Wursten werden auch heutzutage von nicht wenigen als östlich-friesische Gebiete bezeichnet. Für dieses Gesamtgebiet verbreitet sich heutzutage mehr und mehr die Bezeichnung „Ost-Friesland“, unter der Ostfriesland sowie diese weiteren Gebiete zusammengefasst werden. Allerdings leben nur in Ostfriesland Menschen, die sich ohne Wenn und Aber als Ostfriesen bezeichnen lassen, während darüber in den anderen Gebieten durchaus noch gestritten wird. Deshalb dieser Umstand mit den Namen.


Wer aufgepasst hat, wird es bemerkt haben: Der Landkreis „Friesland“ liegt östlich von Ostfriesland. Manche halten dies für einen Ostfriesenwitz, aber wir wissen es jetzt besser, oder?

„Friesland“ ist in diesem Fall nichts anderes, als eine Art Ortsbestimmung im ehemaligen Land Oldenburg und mitnichten eine Benennung ohne „Ost-/West-/Nord-„, weil hier das friesische Kernland liegt. Um bei der Bezeichnung also eine Verwechslung mit Gesamt-Friesland oder der niederländischen Provinz Friesland zu vermeiden, wird es häufig „Oldenburger Friesland“ genannt oder man betont den „Landkreis Friesland“.

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„Frisia est omnis divisa in partes tres…“


Will heißen: Ganz Friesland ist in drei Teile geteilt. Beziehungsweise das, was heute noch von Friesland übrig ist. Aber das ist nicht wenig: Wir haben da zum einen Nordfriesland im Norden Deutschlands. Zum zweiten das eben vorgestellte Ost-Friesland. Und zu guter Letzt Westfriesland. Doch auch die Westfriesen machen es einem nicht einfach:

Richtig als Friesen bezeichnen sich eigentlich nur die Menschen in der heutigen niederländischen Provinz „Friesland“. Hier sprechen sie, wie auch in Nordfriesland und im Saterland, noch richtig Friesisch, weshalb die Provinz auch eigentlich „Fryslân“ heißt. Darüber hinaus gibt es in den Niederlanden noch die Region „Westfriesland“, die westlich des IJsselmeers innerhalb der Provinz Nord-Holland liegt. Hier leben vom Selbstverständnis her allerdings kaum noch Friesen.

Friesland insgesamt ist trotz oder gerade wegen der Jahrhunderte langen Geschichte sehr lebendig. Es gibt sogar eine gesamtfriesische Interessenvertretung, den „Interfriesischen Rat“. Und hier finden wir auch alle vorgestellten friesischen Gebiete wieder:

  • Die Sektion „West“ umfasst die Provinz „Fryslân“ in den Niederlanden.
  • Die Sektion „Ost“ umfasst Ostfriesland, den Landkreis Friesland, die Stadt Wilhelmshaven, das Saterland, Gebiete des ehemaligen Rüstringens sowie das Land Wursten.
  • Die Sekton „Nord“ umfasst Nordfriesland sowie die Insel Helgoland

Insgesamt leben in den friesischen Gebieten rund 1,2 Millionen Menschen, gut eine halbe Million davon in Ostfriesland. Neben den Dänen, Sorben, Sinti und Roma gehören die Friesen zu den staatlich anerkannten Minderheiten innerhalb Deutschlands.



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