61 Jahre „Das Friesische Manifest wird verabschiedet“

Heute vor 61 Jahren, am 28. August 1955, wird von Friesen aus den drei Frieslanden auf dem 6. Friesenkongress in Aurich das Friesische Manifest verabschiedet.

Nach dem zweiten Weltkrieg war es vor allem den Friesen aus den Niederlanden zu verdanken, dass wieder eine interfriesische Zusammenarbeit zustande kamen, denn sie reichten den Friesen in Deutschland trotz der Naziherrschaft und Besatzung wieder die Hand. Beim 6. Friesenkongress wurde schließlich ein gemeinsames Friesisches Manifest verabschiedet, dass über 50 Jahre unverändert Bestand hatte und erst 2006 durch die Erklärung von Leck erneuert wurde.

Friesisches Manifest

Am Tage des sechsten gemeinsamen Treffens in neuerer Zeit stehen wir Friesen aus Nord-, Ost- und Westfriesland, aus dem Saterland und dem Land Wursten, aus dem Oldenburger Land und von Helgoland an der uns allen ehrwürdigen Stätte, am Upstalsboom, wo sich im Mittelalter die Abgesandten der sieben Seelande versammelten. Wir sind zusammengekommen, weil wir fühlen, daß wir zusammengehören und weil die Kraft dieses Gefühls nach Ausdruck verlangt; diese Kraft, die lebendig geblieben ist über alle Wechselfälle der Geschichte und über alle einmal entstandenen Grenzen hinweg.

Gemeinsam ist uns das Volkstum, gemeinsam der Kampf gegen die Naturgewalt der Nordsee, gemeinsam vor allem das Bewußtsein unserer Freiheit von den Niederlanden bis nach Dänemark. Die Zeit drängt nach größeren Zusammenschlüssen. Die drei Frieslande bejahen alle Bestrebungen, die zu einem geeinten Europa führen. Wir gehören freilich mehr als einem Staate an, fühlen uns aber über alles Trennende hinweg als Angehörige eines Stammes, gewohnt und gewillt, unserer Eigenart die Treue zu halten. Mit den Friesentagen, die im Jahre 1925 in Jever ihren Anfang nahmen, bekennen wir uns zur Besinnung auf die gemeinsamen Werte.

Wir bekennen uns zu einer Kultur, die in den Tiefen des Volkstums wurzelt. Gemeinsam wollen wir sie pflegen. Wir bitten alle verantwortlichen Stellen, die kulturelle Arbeit unserer friesischen Institute und Verbände recht zu erkennen und sie so zu fördern, daß ihre volle Entfaltung zum sichersten Deich gegen die gleichmachende Flut der Massen wird.

Wir bekennen uns zu unserer Muttersprache, sie sei friesisch oder plattdeutsch, die uns als wertvollstes Gut mitgegeben wurde und die wir pflegen wollen vor allem anderen. Elternhaus, Schule und Kirche sollen uns dabei helfen und alle staatlichen Stellen weisen wir darauf hin, und bitten sie, Größe und Wert dieser Aufgabe zu erkennen.

Wir bekennen uns zu unserer gemeinsamen Arbeit. Der Friesenrat, den wir berufen, wird die Aufgabe haben, die Zusammenarbeit zu verstärken, Wissenschaft und Schrifttum und alles schöpferische Streben zu fördern und damit das ehrenvolle Ansehen Frieslands in der Welt zu mehren.

Angenommen auf dem 6. Friesenkongreß am 28. August 1955 in Aurich (Ostfriesland)